Freund mit ADHS

Freund mit ADHS

Beitragvon mayflower » Fr 4. Jun 2010, 19:30

Hallo Ihr Lieben!

Heute wende ich mich mal an euch, aber es geht nur indirekt um mich.

Mein Freund hat seit seiner Kindheit ADHS, früher bekam er Medikamente, heute hält er das natürlich nicht mehr für notwendig.

Meiner Meinung nach äußert sich das ganze u.a. wie folgt:

- er hat Schwierigkeiten, Dinge zu Ende zu bringen und lässt ständig alles unfertig liegen
- sagt was es denkt (ohne jedoch die Situation zu bedenken, ist manchmal sehr taktlos - aber nur privat, nie im Beruf)
- unterbricht andere oder platzt ins Gespräch hinein
- begibt sich in öfter gefährliche Situationen (z.B. drängelt, wenn er blöd überholt wurde)
- drängelt sich vor, kann nicht (ab)warten
- Jähzorn, Wutanfälle, heftige, plötzliche Gefühlsausbrüche
- Stimmungsschwankungen (oft völlig uneinschätzbar)
- kann manchmal nicht still sitzen und an anderen Tagen wieder kommt er erst mittags aus dem Bett und verbringt den Rest des Tages vor dem Fernseher / PC (Wochenende, wenn er arbeiten muss, steht er verhältnismäßig schnell auf)
- weiß immer alles besser und muss es einem auch unbedingt sagen; ist gerade zu beleidigt, wenn man seine gutgemeinten Ratschläge nicht annehmen will (z.B. finde ich es blöd, wenn er mir Haushaltstipps gibt, wo er früher nie was im Haushalt machen musste und bei uns auch nicht gerade viel tut)

Gerade seine Wutanfälle und die Stimmungsschwankungen machen mir oft schwer zu schaffen. Ich weiß nie, wie er reagiert, wenn ich etwas erzähle. Im Urlaub war eine Situation, wo die Visa-Karte an der Tankstelle nicht ging, daraufhin hat er wütend die Papiere (Reisepass usw.) herumgeworfen (auch unters Auto). Ich habe versucht einzulenken und ihn zu beruhigen, woraufhin er "Halt`s Maul" gesagt und die Autotür zugeknallt hat. Ich wusste gar nicht was ich sagen soll. Später entschuldigt er sich immer, aber das hilft dann auch nichts mehr. Gesagt ist gesagt. Ich bin wie vor den Kopf geschlagen und habe Angst, dass seine Wutausbrüche mal richtig (also körperlich...) gegen mich gehen. Er versichert mir immer, dass das NIE vorkommen wird, aber eine Garantie gibt es da sicher nicht...

Ich habe schon ein paar mal versucht, ihn darauf anzusprechen, ob er die Krankheit (und das ist es ja nun mal) nicht doch behandeln lassen will, aber hält das für nicht notwendig. Schließlich seien seine Reaktionen völlig normal, jeder ist mal wütend. Das stimmt. Aber schmeissen andere gleich das Navi gegen die Heckscheibe, wenn es einen anderen Weg anzeigt, als sie denken? Oder machen Dinge kaputt, weil sie nicht so funktionieren, wie man das erwartet? Ich weiß es nicht.

Aber ich gebe zu, ich fühle mich etwas hilflos mit der ganzen Sache und überlege, was ich tun soll. Bisher habe ich noch mit niemandem richtig über das Problem gesprochen, weil es mir auch irgendwo peinlich ist und ich Angst habe, dass er wütend wird, wenn er es rausfindet. Toll, oder?

Hat jemand einen Tipp für mich?

Danke,
eure mayflower
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon Arturius » Fr 4. Jun 2010, 20:27

Hallo Myflower,

die von die beschriebenen Probleme kommen mir sehr bekannt vor.
Habe jemaden im engen Familienkreis, der unter ADHS leidet und der hat auch seine Medis abgesetzt,
seit dem ist er genauso drauf, wie du es beschreibst.

Naja, verschweigen ist leider der flascher weg, so fühlen sich die ADHS'ler in ihrem Verhalten nur noch bestätigt.
Man sollte solche "Ausraster" direkt ansprechen (natürlich, erst, wenn derjenige sich ein wenig beruhigt hat) und deren folgen ansprechen.

Das Verhalten bringt einen AHDS'ler oft in soziale und emotionale Schwierigkeiten.
Da hilft nur das offene Gespräch ev. der Weg zu einer Therapie und/oder einer Selbsthilfegruppe.

Wie gesagt, stillschweigen Hinnehmen und Ignorieren macht die Sache auf dauer eigenbtklich nur noch schlimmer.
So hart es jetzt klingt, ADHS'ler brauchen ein klare struktirierte Lebensweise und klare Ansagen, sonst laufen die irgendwann "Amok" ;)

Es gibt einige Infos und Selbsthilfeforen im Internet zu diesem Thema.

Gruß, A.
Meine Beiträge basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und meinen eigenen Recherchen.
Ich bin kein Arzt und besitze keine fachmedizinische Ausbildung.


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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon Strubbel » Mo 7. Jun 2010, 16:01

Hallöchen Mayflower (Maiblümchen) :friends:


Ersteinmal vielen Dank, daß Du Dich uns hier im Forum mit Deinem Problem anvertraut hast. Da muß ich Artu Recht geben. Reagieren mußt Du auf alle Fälle, und das möglichst diplomatisch. Irgendwie ist es schon schlimm genug, wenn
ein ,,Kranker,, egal ob ADHS'ler, oder eine andere Krankheit, die Medis absetzt.
Natürlich kann man nur reden, wenn Dein Freund keinen ,,Schub,, hat, sprich, sich ,,normal,, gibt.
Wer behandelt Ihn eigentlich, sprich welcher Arzt überwacht die Einnahme der Medis insoweit, daß er in
bestimmten Abständen immer zur Kontrolle muß?
Was mir persönlich einfällt, wäre: Hast Du ein konstruktives Gespräch mit Deinem Freund geführt,
welches nichts gebracht hat, solltest Du evtl. den behandelnden Arzt hinzuziehen.

Fakt ist ja. Das Leben muß für Euch beide lebenswert sein. Da Du keine Ärztin bist, kannst Du
auch nicht mehr, als reden. Einsicht muß dann der Patient annehmen,. Aber wie weit das bei ADHS
möglich ist, kann ich nicht sagen.

Der behandelnde Arzt dürfte da die ***Schlüsselfigur*** schlechthin sein.
Also, packs an. Wünsche Dir viel Tatkraft. Die Unterstützung zum Reden, bekommst Du auf alle
Fälle hier bei uns. Soviel ist sicher.
Darum :friends: bis denni Strubbi :tee_sie:
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon mayflower » Mo 7. Jun 2010, 19:06

Arzt? *hüstel* Er lehnt es strikt ab, zu irgendeinem Arzt zu gehen. Nicht mal wegen dem Heuschnupfen oder seiner ständigen Müdigkeit, die mir schon Gedanken in Richtung Schilddrüsenfehlfunktion gemacht hat. Da ist nichts zu machen. Er braucht keinen Arzt, er ist schließlich gesund.

Die letzten Tage habe ich aber immer mal wieder darauf hingewiesen, dass er sich mir gegenüber anders verhalten muss. Auch wenn er bestimmte Dinge, die er sagt, so nicht meint. Er sagt sie so und so kommen sie bei mir an und machen mir machmal Angst oder kränken mich. Im Moment schlucke ich es aber so ein bisschen herunter, da seine Mutter plötzlich schwer krank geworden ist und die Chancen schlecht stehen. Da braucht er eher eine Schulter zum anlehnen als Vorwürfe.

Trotzdem muss ich das Thema nochmal irgendwann direkt angehen, damit irgendwas passieren kann, fürchte ich.

Zunächst danke für eure Meinungen und die lieben Worte, die immer gut tun!
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon Strubbel » Di 8. Jun 2010, 12:05

Hallöchen Maiblume :friends:

Jetze habe ich wieder Deinen Vornamen vergessen.... :x :oops:
Also, der Zeitpunkt zum Reden mit Deinem Freund, ist eigentlich nicht abhängig vom ***UMFELD***,
sprich, was da passiert, obs gerade paßt oder nicht!!!. Es paßt eigentlich nie so richtig.

Gaaaaanz wischtisch, er muß so ***NORMAL wie möglich*** sein. Also keine Ausraster usw.
Denn im Gehirn ist eine Unterversorgung eines ,,Botenstoffes,, , die nur durch
medikamentöse Behandlung in den Griff zu bekommen ist.

Ich denke da Z.Bsp. an ,,Tourette-Syndrom,, oder die Krankheit ,,ALKOHOLISMUS,,
Diese Menschen sind auch meißt der Ansicht, nicht wirklich krank zu sein.

Mayflower, wenn Du denkst, daß Du stark genug bist, für dieses Gespräch, machst
Du es auch. Aber wie schon mal von mir erwähnt,.... scheue Dich nicht, professionelle Hilfe
anzunehmen.

Auch hierbei könnte die KK ein Ansatzpunkt sein. Es geht doch immerhin um EUCH BEIDE
. Vielleicht wirst Du dann auch innerlich ruhiger werden, nachdem Du diesen bewußten
-WEG NACH KANOSSA- gegangen bist.

Noch ne Idee, die mir gerade spontan einfällt. Unsern hspeine könntest Du auch mal kontakten über PN,
auch wenn er nur selten hier im Forum ist, da er viel ehrenamtliche Tätigkeiten inne hat. Den ein oder
anderen Tipp könnte er Dir bestimmt geben.
So, Mayflower, nochmals viel Kraft..
Da sagte mal ein Emile Ratlband: Tschacka, Du kannst es, ;)
Strubbi :smiline: :tee_sie:
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon mayflower » Mi 16. Jun 2010, 19:28

Derzeit arbeitet er wieder enorm viel und wir sehen uns wenig. Wenn er dann zu Hause ist, ist er total kaputt und meist genervt und hat kein Ohr für meine Anliegen. Schon gar nicht in dieser Richtung. Er ist ja auch manchmal tage- oder wochenlang ganz normal und dann kommen wieder Aussetzer, dass ich nicht weiß, was ich davon halten soll. Es ist echt schwer, diese Krankheit zu fassen zu bekommen, wenn jemand absolut nicht einsieht, überhaupt krank zu sein.

Mich macht das echt ein wenig hilflos, aber was soll ich tun? Abwarten, dass sich mal eine günstige Gelegenheit ergibt. Mehr geht wohl nicht :(
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon Kruemel » Sa 19. Jun 2010, 09:27

Huhu Mayflower


Hast du mit ihm darüber schon gesprochen?
Ich weiß, solche Gespräche sind echt net einfach aber leider notwendig, du musst ihm klar machen, das er sich in manchen Situationen daneben benimmt.

Dafür solltest du aber dann nen Moment abpassen in dem er auch wirklich n offenes Ohr für dich hat und nich gestresst is...
Den du fühlst dich, verständlicherweise in der Situation nicht wohl, du denkst darüber nach, deine Gesundheit bleibt n stückweit auch auf der Strecke, und er siehts vieleicht net mal wirklich so krass...

Der Darm is gerade was son Stress angeht sehr empfindlich, und merkt sich sowas... ;)

Mal von dir selbst ganz abgesehn, is es auch net der weg das DU dir darüber gedanken machst, wie du DICH in solchen Situationen verhalten sollst und er selbst sieht nicht mal das er n Problem hat..

Ich weiß auch, ihm das klar zu machen, is sicherlich net einfach, aber ich denke nicht unmöglich..
Sag ihm wie du dich in so ner Situation fühlst, und das du nicht genau weißt wie du dich Verhalten sollst, das du durch solche Aussagen verunsichert bist und dich das kränkt... ich denke sowas öffnet ihm die Augen..
Was meiner Meinung nach wichtig is, das du ihn zwar schon sagst, wie du dich fühlst aber ihn net "angreifst" ich denke dann macht er zu..

Also nicht, wie kannst du nur sowas zu mir sagen? gehts noch?
Sondern eher, ich war erschrocken als du das zu mir gesagt hast und weiß nicht wie ich damit umgehn soll..
Letztenendes bekommst dann die selbe Antwort von ihm die du möchtest--> warum bist n du so? und schau mal hin was du machst, so geht das nicht!..
Und das wichtigste: Du bekommst ne Antwort... ;)

Wie gesagt, warte auf die nächte passende Gelegenheit, setzt dich mit ihm an einen Tisch und besprecht das...
Ich weiß das man solche Gespräche gern auf die Lange Bank schiebt, und ab und an auch denkt wieso soll ich eigentlich, er sollts doch eigentlich selbst merken, tut er aber nicht ;)
Und für dich und deine Gesundheit, aber auch für euch als paar solltet ihr das echt baldmöglichst klähren.. :talk:

Ich drücke dir die Daumen, wünsche dir viel kraft bei dem Gespräch und hoffe das ihr das klähren könnt und er einsichtig is..

Lass es dir gut gehn...

Liebe Grüße
Krümi :winkew:
*"Wer Schmetterlinge lachen höhrt, der weiß wie Wolken schmecken"*
Ich habe keine medizinische Ausbildung, meine Erzählungen basieren auf meinen persöhnlichen Erfahrungen und angelesenem Wissen!!
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon mayflower » Sa 19. Jun 2010, 12:17

Danke euch beiden (auch Strubbel für die Mail). Ich bin gerade dabei, ihm Stück für Stück zu erklären, was mich stört bzw. verunsichert. Ein bisschen Wirkung zeigt es meiner Meinung nach schon. Richtig darüber zu sprechen, ist tatsächlich schwierig, weil er dann meist gleich dicht macht, wenn man das Thema zu offensichtlich anschneidet. Ich hoffe, dass ich es so häppchenweise auch hinbekomme.

Jedenfalls danke für eure lieben Worte und die Unterstützung. Ich gebe mir alle Mühe, die Situation auch im Hinblick auf meine Gesundheit wieder besser hinzubekommen!
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Re: Freund mit ADHS

Beitragvon Strubbel » Sa 19. Jun 2010, 14:45

Hallöchen Maiblume :winkew: :smiline:


Bitteschön gerne geschehen. :oops: Wir Frauen hier im Forum müssen ja auch irgendwie
zusammenhalten. Das macht unsere ,,Zuflucht,, aus. :friends:
Ich weiß ja nicht, ob es möglich ist, von ICQ nach Skype zu kommunizieren? Oder was es kostet?
Ich habe Skype und glaube, es Dir schonmal angeboten zu haben. Wenn Du magst.
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Also, Maiblume, Ich weiß, daß Ihr das schafft. Du willst ja und er wird es auch einsehen, daß er
,,wollen muß,,. Viel Kraft dabei wünscht Dir
Strubbi :tee_sie: (Trinke halt wirklich gerne Tee)
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